Im Rahmen des Pädagogik-Leistungskurses am Emsland-Gymnasium Rheine ist das Thema „Schwerstarbeit Erwachsenwerden“ – Streben nach Autonomie und sozialer Verantwortlichkeit im Modell der produktiven Realitätsverarbeitung nach Prof. Klaus Hurrelmann“ seit einigen Jahren fester Bestandteil des Unterrichts. In diesem Jahr hatten die Schülerinnen und Schüler der Q1 die besondere Gelegenheit, eine Videokonferenz mit dem renommierten Sozialwissenschaftler Prof. Hurrelmann zu führen. Diese Möglichkeit bot den Schülerinnen und Schülern die Chance, direkt mit einem Experten über sein Modell der produktiven Realitätsverarbeitung sowie über eigene Fragen zur Lebenssituation Jugendlicher ins Gespräch zu kommen.

Im Mittelpunkt des Austauschs stand vor allem die Lebensrealität von Jugendlichen heute. Besonders eindrucksvoll waren dabei die persönlichen Einblicke, die Prof. Hurrelmann in seine eigene Jugend gab. Er berichtete, dass er als Erster seiner Familie das Gymnasium besuchte und sich dort zunächst fremd und fehl am Platz fühlte, da er von anderen Jugendlichen nicht selbstverständlich akzeptiert wurde. Diese Zeit beschrieb er als herausfordernd, teilweise ungerecht und prägend für seinen weiteren Lebensweg.

Diese Erfahrungen machten deutlich, dass Schule nicht nur die Entwicklungsaufgabe des Qualifizierens fördern sollte. Ebenso wichtig seien laut Hurrelmann die Bereiche des Bindens und Partizipierens, damit Jugendliche soziale Zugehörigkeit erleben und lernen, ihre eigene Rolle in der Gesellschaft aktiv zu gestalten.

Ein weiterer wichtiger Gesprächspunkt war die Wahrnehmung der Generation Z durch ältere Generationen. Prof. Hurrelmann widersprach dabei der häufig geäußerten Ansicht, Jugendliche seien „zu empfindlich“ oder würden Probleme übertreiben. Stattdessen betonte er, dass die heutige Generation viele Stärken mitbringe und ernst genommen werden müsse, da auf jungen Menschen ein erheblicher Stress- und Leistungsdruck laste. Bedürfnisse, Interessen und individuelle Lebenssituationen von Jugendlichen müssten stärker berücksichtigt werden – insbesondere auch im schulischen Alltag.

Besonders motivierend war seine Botschaft, dass Schülerinnen und Schüler durchaus gesellschaftliche Veränderungen anstoßen können. Auch wenn Entwicklungen Zeit benötigten, sei es wichtig, sich einzumischen, die eigene Meinung zu äußern und sich aktiv zu beteiligen. Nur so könnten langfristig Verbesserungen im Schulsystem und in der Gesellschaft erreicht werden.

Die Videokonferenz wurde von den Teilnehmenden als sehr bereichernd und inspirierend erlebt. Der Pädagogik-Leistungskurs bedankt sich herzlich bei Prof. Hurrelmann für das spannende und kurzweilige Gespräch.